Ein Wochenende in Chartres

Freitag, 6. September 2013

Ich sitze im Zug nach Chartres. Obwohl ich pünktlich von zuhause aufgebrochen bin, war das jetzt doch sehr knapp. Das französische Ticketsystem ist doch irgendwie anders als in Deutschland. Und in der Eile setze ich mich dann auf den erstbesten freien Platz, erleichtert, den Zug noch bekommen zu haben. Mir gegenüber sitzt ein komischer Typ. Er quatscht mich an und merkt natürlich, dass ich nicht gut Französisch kann und auch nicht aus der Gegend bin. Er fühlt sich sofort zum Guide berufen und erzählt mir in sehr schlechtem Englisch an jeder Haltestelle irgendwas zum entsprechenden Ort…

Ich bin in Chartres. Der Bahnhof liegt nur wenige 100 Meter von der berühmten Kathedrale entfernt. Irgendwie hat dieser Ort eine starke Ausstrahlungskraft. Ich habe den Eindruck, dass die Luft drumherum flimmert. Ich sitze davor, weil ich mit dem Gepäck nicht hineingehen möchte. Der Ort gefällt mir jetzt schon. Ich werde erstmal im Hostel einchecken und dann zurückkommen…

Es ist 22 Uhr. Ich sitze im Aufenthaltsraum, um meinen Handyakku zu laden, auf dem Zimmer gibt es nämlich keine Steckdosen. Hier sitzt noch eine weitere Frau… sie lässt ihren Laptop-Akku laden 🙂

Ich nutze die Zeit, um den Abend Revue passieren zu lassen und den Tag morgen zu planen.

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Ich bin heute nach dem Check-in direkt zur Kathedrale zurück und natürlich auch durch das berühmte Labyrinth gegangen. Es waren einige Pilger da, die teilweise barfuß und sehr langsam da durchgegangen sind. Einige sogar auf Knien.

Vielleicht muss man das so langsam machen, um irgendein besonderes, spirituelles Empfinden zu haben. Ich habe jedenfalls nichts außergewöhnliches gespürt, oder nichts anderes als sowieso schon. Ich finde, dass der Ort grundsätzlich etwas Magisches hat. Aber das Labyrinth selbst… ich weiß nicht…

Ganz berühmt ist die Kathedrale ja auch für ihre Fenster…

 

Samstag, 7. September 2013

Ich sitze gerade im Café Sérpente direkt an der Südseite der Kathedrale. Ich habe eine sehr leckere Zwiebelsuppe zu Abend gegessen. Besonders schön ist auch, dass die langsam untergehende Sonne gerade auf mich scheint. Mir ist an diesem sehr windigen Ort endlich warm geworden. Ich genieße den Augenblick gerade sehr!

Ich bin seit 8 Uhr auf den Beinen und jetzt ist es bereits 19 Uhr. Ich habe den Eindruck, mittlerweile wirklich ALLES gesehen zu haben. Ich bin nach dem Frühstück (für das es sich wahrlich nicht lohnt um 7 Uhr aufzustehen) zuerst zum Kollegiale Saint-André gegangen.

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Danach stand das Musée des Beaux-Arts auf dem Plan. Es befindet sich im Palais Épiscopal, ein sehr hübsches Gebäude. Außer mir war kaum ein Gast da. Ich hatte das Gefühl, dass die Angestellten sich selbst darüber wunderten, dass überhaupt jemand kam. Denn als ich eintrat, sahen mich an der Rezeption 5 Personen ganz fragend an. Auf meine Frage, ob die Ausstellung geöffnet sei, sagten alle gleichzeitig „Ouiiii!!!“

Nach meiner Tour durch das Museum fragte ich beim Verlassen die freundlichen, aber deutlich unterforderten Herren der Rezeption noch, wo denn die Fresken von Bel Air seien. Da es in meinem Touri-Heftchen kein Bild dazu gab, konnte ich mir nichts darunter vorstellen. Die Herren erklärten mir den Weg und ich bin dann mal los ins Ungewisse.

Nach etwa 30 Minuten war ich da. Bei den Fresken von Bel Air handelt es sich um fast ganz normale Mehrfamilienhäuser, die eigentlich wie langweilige Klötze in der Landschaft rumstünden, wenn nicht jemand auf die Idee gekommen wäre, sie in verschiedenster Art und Weise zu bemalen. Was dahinter steckt, weiß ich nicht. Steht nicht im Heftchen und ich habe gerade auch kein Internet.

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Auf dem Rückweg zur Altstadt beschloss ich, zu la Maison Picassiette zu gehen. Ganz zufällig bin ich auf dem Weg dahin über den Friedhof Saint-Chéron gelaufen. Das ist ein Friedhof, aber was für einer. Aber egal, Friedhöfe finde ich nicht so spannend. Der Ausblick auf die Kathedrale war dort aber besonders schön.

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Als ich schließlich vor dem Haus Picassiette angekommen war, musste ich feststellen, dass ich entweder eine Stunde warten müsse, denn die haben Mittagspause, oder heute einfach darauf verzichten könnte. Ich habe mich für letzteres entschieden und bin dann also, weil es auch auf dem Weg lag, zur Église Saint-Pierre gegangen. Dabei handelt es sich um eine gotische Kirche aus dem 11. Jahrhundert, die leider schon sehr baufällig ist. Ist ja auch uralt.

Anschließend habe ich mir noch die Ausstellung in der Chapelle Saint-Éman angeschaut. Ein italienischer zeitgenössischer Künstler stellt da ganz coole Mosaike aus. Und da ich von Kunst nie genug bekomme, bin ich wieder zum Kollegiale Saint-André gegangen, da dort auch eine zeitgenössische Ausstellung gezeigt wurde, heute letzter Tag! Da waren auch einige tolle Arbeiten dabei, hat sich also gelohnt.

Und weil ich immer noch nicht genug gelaufen bin, bin ich danach die gefühlt 1000 Stufen zur Kathedrale hinaufgestiegen und habe an der Führung der Krypta teilgenommen. Und da danach erst 17 Uhr war, bin ich noch ein wenig durch die Stadt gelaufen, bis ich endlich Genug hatte und mich hier ins Café gesetzt habe.

Und jetzt sitze ich hier und genieße einfach den Augenblick 🙂

Mitternacht.

Ich sitze wieder im Aufenthaltsraum und lade meinen Akku.

Nach der Zwiebelsuppe und noch einem Cappuccino wurde es dunkel und die Lichtshow an der Fassade der Kathedrale begann. Es war wirklich sehr schön!

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Morgen schlafe ich mindestens bis 9 Uhr. Für den schlechten Kaffee hier im Hostel stehe ich bestimmt nicht auf. Und außerdem habe ich heute sowieso schon alles gesehen.

Also, Bonne nuit !

 

Sonntag, 8. September 2013

Ich konnte mir heute noch die Kirche St. Aignan anschauen. Sie war geöffnet, weil da gerade eine Messe lief. Ich habe mich einfach hinten reingesetzt und die Leute beobachtet.

Nach der Messe bin ich dann in aller Ruhe durchgegangen und habe mir die Fenster und alles andere angeschaut. Da tobten noch ein paar kleine Jungs rum und kletterten auf die Kanzel 🙂

Ich sitze wieder im Café Sérpente und gönne mir ein Stück Tarte Tatin.

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Ich werde noch den Turm der Kathedrale besteigen und dann geht es zum Bahnhof und zurück nach Paris.

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Wie winzig Chartres doch ist, im Gegensatz zu Paris.

Aber schön! Sehr schön!

 

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