Auslandsstudium Teil 9: À titre individuel – Master 2 an der Université Panthéon-Sorbonne

Willkommen zum 9. Teil der Serie zu meinem Auslandsstudium. Wenn du alle anderen Artikel dieser Serie gelesen hast, dürftest du schon eine ungefähre Vorstellung vom französischen Uni-System haben.

Ich werde dich hier also nicht damit langweilen, dass ich den Studienaufbau des letzten Jahres nochmal genau erkläre. Es soll mehr ums inhaltliche gehen. 

Im  8. Teil dieser Serie habe ich schon den Unterschied zwischen Master Pro und Master Recherche erklärt.

Ich möchte hier hinzufügen, dass sich der Unterschied der beiden Master vor allem im 2. Studienjahr zeigt. Im Master 1 sind die Kurse etwas allgemeiner gehalten.

Auch findet das Praktikum des Master Pro im 2. Jahr statt. Das erste Jahr findet komplett an der Uni selbst statt.

Der Master 2 Recherche legt einen noch größeren Stellenwert auf die Abschlussarbeit. Und zwar 24 von 60 Punkten.

Dazu kam ein Seminar pro Semester mehr als im ersten Jahr. Das zusätzliche Seminar konnte nicht frei ausgewählt werden, sondern wurde vom leitenden Prof der Spezialisierung gegeben.

Ich hatte den Parcours „Histoire du Patrimoine et des Musées“ gewählt. Zu deutsch: Geschichte des Kulturguts und der Museen.

 

Semester 1 im Master 2 in Paris

Im ersten Semester musste man wieder einen Sprachkurs (2 ECTS) machen, im letzten aber nicht mehr.

Inhaltlich war das Pflichtseminar folgendermaßen aufgebaut:

Der Prof stellte im ersten Semester hauptsächlich die Literatur vor, die man in dieser Spezialisierung kennen muss.

Für die Note musste jeder den Fortschritt seiner Forschungsarbeit auf ein paar Seiten zusammentragen und abgeben. (12 ECTS)

Das Seminar hat nicht gerade Begeisterungsstürme in mir ausgelöst. Eine einfache Literaturliste hätte es auch getan.

Dafür waren die anderen Seminare um so besser!

Jemand, der nicht gerade im gleichen Bereich aktiv ist, wird sich auf den ersten Blick nicht bewusst darüber sein, welchen Einfluss Kunst und Kultur auf politischer und sozialer Ebene haben.

Und genau darum ging es in den anderen zwei Seminaren.

 

Geopolitik und Museen?

Das erste Seminar „Géopolitique des Musées“, also Geopolitik der Museen, behandelte die Rolle der Museen als politisches Machtsymbol.

Ich möchte dir einen Gedanken daraus mitgeben:

„Immer wenn ein Land an Macht und Reichtum gewinnt, baut es Museen und Kulturstätten.“

Ich möchte es hier gar nicht weiter ausführen. Du kannst gerne darüber nachdenken, wenn du magst…

Jede Woche war ein anderer Referent eingeladen, der im ersten Teil seine Forschung vorstellte, die im Zusammenhang mit dem Seminar standen.

Besonders interessant waren die Beiträge zu den Museen in Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi Arabien. Daran lassen sich nämlich genau solche Phänomene von aufsteigender Macht in Zusammenhang mit dem Aufbau von Museen erkennen.

Spannend war auch eine Sitzung zu den sogenannten „Millionärs-Museen“. Damit ist aber kein Geld gemeint, sondern die Besucherzahlen pro Jahr.

Interessanterweise hat Deutschland kein einziges Museum, das die Millionenmarke an Besuchern pro Jahr erreicht. Meine französischen Kommilitonen waren sehr erstaunt darüber. Denn sonst waren alle wirtschaftlich stärksten Länder auch im Museumsbereich ganz oben vertreten.

Das Seminar fand nicht in Uni-Räumen statt, sondern im Konferenzsaal des „Musée des Arts et des Metiers“, also Museum für Handwerk und Berufe.

Der Prof selbst ist an der Ecole du Louvre tätig. Wir Studierende stammten von drei verschiedenen Unis: Ecole du Louvre, Panthéon-Sorbonne und Sorbonne-Nouvelle.

Für die Note mussten wir uns aktiv beteiligen. Er hat sich jedesmal den Namen der Personen aufgeschrieben, die an der Diskussion teilnahmen. Außerdem mussten wir am Ende des Semesters in Gruppenarbeit ein Referat halten und eine Seminararbeit abgeben. (8 ECTS)

 

Kolloquien, Le Corbusier und Saint-Denis

Das dritte Seminar gehört zu den Höhepunkten meiner Studienzeit!

Der Titel des Seminars lautete „Enjeux socio-politique du Patrimoine“, also der sozio-politische Einsatz von Kulturgut. Die Professorin ist Spezialistin für Architekturgeschichte, vor allem im Bereich Sozialbauten.

Sie ist auch im Vorstand der Fondation Le Corbusier. Le Corbusier war ein sehr bekannter zeitgenössischer Architekt. Meine Professorin hatte ein Exkursion nach Lyon und Firminy vorbereitet.

In Lyon haben wir das archäologische „Musée gallo-romain“ und das neue ethnologische Museum „Confluences“ (siehe Foto) besucht. In beiden Fällen hatten wir Führungen mit den Konservatoren der Museen, was sehr interessant war.

Ganz besonders war noch eine anderer Teil der Exkursion:

Wir haben Dominique Claudius-Petit kennengelernt, den Sohn von Eugène Claudius-Petit. Dieser war Politiker, unter anderem Minister für Städtebau. Eugène Claudius-Petit war ein enger Freund von Le Corbusier.

Wir haben Dominique Claudius-Petit am Abend nach den Museumsbesuchen kennengelernt. Er hat uns etwa zwei Stunden lang von seinem Vater und Le Corbusier erzählt. Und zwar aus einer sehr persönlichen Perspektive.

Er berichtete von den Architekturprojekten von Le Corbusier in Firminy.

Den Bau der Kirche von Firminy hat Le Corbusier nicht mehr erlebt. Auch Eugène war schon verstorben. Dominique Claudius-Petit erzählte, wie eine Freundin von Le Corbusier und seinem Vater ihn Dominique damit beauftragte, das geplante Projekt für den Kirchenbau fertigzustellen.

Er erklärte uns wie er die Mittel dazu bekommen hatte und tatsächlich nach den Originalplänen von Le Corbusier die Kirche hat bauen lassen.

Es war ein sehr authentischer Eindruck. Denn Dominique Claudius-Petit erzählte mit vielen Details und wurde selbst emotional an die Erinnerung an seinen Vater und Le Corbusier.

Er führte uns am nächsten Tag in Firminy durch die Kirche.

Damit war aber die Exkursion noch nicht zu Ende. Wir lernten auch Yvan Mettaud kennen, der der Chef-Konservator vom Kulturzentrum von Firminy ist. Auch dieses Gebäude wurde von Le Corbusier gebaut.

Yvan Mettaud führte uns nicht nur durch das „Maison de la culture“, sondern lud uns auch zu sich nach Hause ein. Er lebt nämlich in dem großen Wohnhaus – Unité d’Habitation – in Firminy, dass ebenfalls von Le Corbusier stammt.

Ich hatte diese Gebäude schon vorher in Köln in ein paar Vorlesungen vorgestellt bekommen. Sie dann aber live zu sehen, ist für Kunsthistoriker nochmal ein anderes Erlebnis.

Zurück nach Paris:

Innerhalb des selben Seminars haben wir in dem Semester an zwei Kolloquien teilgenommen.

Das erste war im ethnologischen Museum von Paris, dem Musée du Quai Brandy, zum 10-jährigen Jubiläum des Museums.

Es waren internationale Redner aus den verschiedensten ethnologischen Museen der Welt vertreten.

Das zweite Kolloquium hatte den Titel „Louvre Monde“. Dabei ging es um die Strahlungskraft des Louvre in der Welt.

Ein besonderer Redner war Jean Nouvel, der Chef-Architekt des Museums Louvre Abou Dhabi, das noch in Konstruktion ist.

Er zeigte uns persönliche Fotos von der Baustelle und erklärte uns spannende Details zur Konstruktion.

Damit noch nicht genug.

Immer noch im Rahmen dieses Seminars sind wir zwei mal nach Saint-Denis, dem Vorort von Pairs, gefahren. Beim erste Mal wurde uns die Stadt vorgestellt.

Beim zweiten Mal führte uns der Chef-Restaurator durch die weltberühmte Kirche von Saint-Denis, in der der Ursprung des gotischen Stils gesehen wird.

Er erklärte uns die verschiedenen Projekte der Restauration die bereits durchgeführt worden waren und die, die noch anstanden.

Besonders interessant war die Frage nach dem Wiederaufbau des zweiten Turms. Er zeigte uns die Originalsteine, die nun schon seit 150 Jahren im Hinterhof der Kathedrale liegen. Der Restaurator kämpft um die Genehmigung für die Restauration des Turms.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs standen neue Verhandlungen kurz bevor.

Mittlerweile hat das Ministerium für Kultur und Kommunikation dem Vorhaben zugestimmt. Die Baustelle soll im Frühling 2018 eröffnet werden.

Für die Note in diesem Seminar mussten wir eine kurze Hausarbeit zu einem der besuchten Objekte schreiben. (8 ECTS)

 

Semester 2 im Master 2 in Paris

Das Pflichtseminar aus dem ersten Semester wurde im zweiten fortgesetzt. Zum Glück stellte der Prof nicht mehr nur die Literatur, sondern seine aktuelle Forschung vor.

Und zwar ging es da um Period rooms. Darunter versteht man eine bestimmte Art der Museographie, bei der kurz gesagt die Ausstellungsräume eine gewisse Periode darstellen wollen.

Etwa vier Sitzungen des Semesters drehten sich um dieses Thema. Danach war jede Woche ein anderer Doktorand da, der seine Forschung vorstellte.

Da im 2. Semester ja 24 ECTS für die Masterarbeit reserviert waren, blieben nur noch 6 ECTS übrig, die auf die drei Seminare verteilt wurden.

In dem Pflichtseminar mussten wir für die Note eine Klausur zum Thema Period rooms schreiben und eine kurze Hausarbeit über ein beliebiges Thema abgeben, das irgendwie im Zusammenhang mit einem der Themen von den Doktoranden stand.

Und das für nur 2 ECTS!

Das zweite Seminar „Museologie et Muséographie“ war inhaltlich eigentlich sehr interessant.

Auch wirkte die Professorin sehr kompetent. Nur leider war die Vortragsweise sehr anstrengend. Sie sprach sehr leise und schaute dabei immer zur Decke. Das machte das Seminar nicht gerade zum Vergnügen.

Ganz spannend war aber ein Gastvortrag innerhalb dieses Seminars von der Konservatorin vom Musée Bourdelle.

Der Vortrag hatte mich neugierig gemacht und ich besuchte kurz darauf das Museum. Und ich kann es echt empfehlen. Glücklicherweise fand da eine Sonderausstellung statt:

„Balenciage, l’oeuvre au noir“. Eine absolut großartige Ausstellung, bei der die Kleidung des Designers aus den 60er Jahren ausgestellt wurde. Die Besonderheit: Alle Kleider waren schwarz.

Die Notenvergabe in diesem Seminar stand in keinem Verhältnis zu den 2 ECTS die es dafür gab:

Man musste eine Buchrezension schreiben und einen kritischen Artikel zu einer beliebigen Ausstellung.

 

Das dritte Seminar des letzten Semesters trug den Titel „Art, Science et Psychologie“, also Kunst, Wissenschaft und Psychologie. Es war der Prof, der ein Jahr vorher das Seminar zu Delaunay gegeben hatte.

Wenn du den 8. Artikel dieser Serie gelesen hast, weißt du von wem ich spreche.

Auch diesmal war seine Präsentation hervorragend, seine Art zu sprechen mittreißend und begeisternd.

Wir mussten bei ihm ein kurzes Referat halten, was aber sehr interaktiv gehalten war. Das heißt, man hat angefangen zu sprechen und der Prof hat immer Dinge hinzugefügt, bevor man zum nächsten Punkt überging.

Auch hier gab es 2 ECTS, was für den geringen Aufwand aber völlig ok war.

 

Wie im Master 1 schreibt man die Masterarbeit parallel zu den beiden Semestern. Im Master 2 müssen es etwa 80 Seiten sein.

Nachdem die Vorlesungszeit Ende April vorbei war, hatte man bis Mitte Juni Zeit die Arbeit fertigzustellen. Bzw. bis Mitte September für die zweite Phase.

Auch hier gilt mit Bestehen aller Seminare und positivem Abschluss der Arbeit und der Soutenance, das Unijahr und gleichzeitig das Musterstudium als erfolgreich abgeschlossen.

Ich führe das nicht näher aus, da es sich genauso verhält wie im Master 1, wie ich es im 8. Artikel beschrieben habe.

 

Salle Labrouste, Deutsches Forum für Kunstgeschichte, Centre Pompidou

Ich habe die Arbeit im Master 2 hauptsächlich an drei verschiedenen Orten geschrieben.

Die meiste Zeit verbrachte ich im Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris, kurz DFK. Das ist ein wissenschaftliches Institut, das eine herausragend gute Bibliothek besitzt.

Der Arbeitsraum ist hell und einladend. Das Personal ist total freundlich und hilfsbereit und die Auswahl an Literatur ist gigantisch.

Der zweite Ort war in der alten Bibliothèque nationale, im frisch restaurierten Salle Labrouste. Es ist ein wunderschöner Platz zum arbeiten.

Aber beide Bibliotheken sind nur beschränkt geöffnet. Das DFK schließt um 18 Uhr und bleibt auch am Wochenende geschlossen.

Der Saal Labrouste hat auch samstags bis 18 Uhr geöffnet.

Die längsten Öffnungszeiten bis 22 Uhr hat die öffentliche Bibliothek des Centre Pompidou.

Ich bin also oft nach nach dem DFK zum Centre Pompidou gegangen. Da die Metro-Verbindung zwischen den beiden Orten nicht sehr praktisch ist, ging ich zu Fuß.

Das gab dem Gehirn etwas frische Luft und neue Inspiration.

 

Mit dem Abschluss des Master 2 hat man die höchste Stufe erreicht, die es im Studentenstatus gibt.

 

Ich habe hier und da schon durchblicken lassen, was ich im Studium besonders mochte und was nicht.

Wenn du dich dafür interessierst, wie ich das Auslandsstudium im Gesamten bewerte, lade ich dich zum letzten Artikel dieser Serie ein, der in Kürze hier erscheinen wird.

 

Bleib dran!

 

Au revoir,

Deine Anna

2 Comments

  1. Ich bin sehr gespannt auf die Gesamtbewertung deines Auslandaufenthaltes! Viele Grüße aus Erding! Ich wünsche dir und deinem Freund weiterhin alles, alles Gute in Paris!

    1. Liebe Astrid,

      vielen Dank für deine Nachricht! Ja, ich werde versuchen, die Gesamtbewertung bald zu schreiben. Aktuell ist mein Fokus stark auf dem Podcast, den ich gerade rausbringe. Aber der Artikel kommt, versprochen! 🙂

      Ich hoffe, ihr hattet eine ruhige Heimfahrt nach Erging?

      Ganz liebe Grüße,
      Anna

      PS: Wenn dich der Podcast interessiert, schau mal in die Kategorie „Podcast-Episoden“.

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