Auslandsstudium Teil 8: À titre individuel – Master 1 an der Université Panthéon-Sorbonne

Im letzten Beitrag habe ich dir erzählt, wie ich mich auf das Masterstudium in Paris vorbereitet habe.

Jetzt möchte ich davon berichten, wie das Studium im Master 1 in Paris im Fach Kunstgeschichte abgelaufen ist. 

 

Gleich zu Beginn: im Master studiert man ein Fach. Auch in Köln kann man nur ein Fach nach dem Bachelor studieren. Ich persönlich finde es sehr viel angenehmer. Man konzentriert und fokussiert sich wirklich auf eine Sache im Studium.

Man unterscheidet in Frankreich zwischen Master Pro und Master Recherche. Der Master Pro bereitet auf einen bestimmten Berufszweig vor. In der Regel ist das 4. Semester ein Praktikumssemester.

Der Master Recherche ist ein wissenschaftliches Studium, der auf eine wissenschaftliche Laufbahn vorbereitet und dem eine Doktorarbeit folgen kann.

Des weiteren gibt es im Master verschiedene Spezialisierungen. Ich kenne aus Köln nur Kunstgeschichte und Architekturgeschichte. Aber wenn ich mich nicht irre, kann man sich nur in Kunstgeschichte einschreiben. Sollte man sich in Architekturgeschichte spezialisieren wollen, belegt man die entsprechenden Vorlesungen.

In Frankreich ist das anders. Es gibt zum Beispiel: Conservation-Restauration, Histoire de Cinéma (Filmgeschichte), Histoire de l’architekture (Architekturgeschichte), Histoire du Patrimoine et des Musées (Kulturguts- und Museumsgeschichte), Histoire du Jardin (Geschichte der Gartenkunst) etc. und natürlich auch ganz klassisch Histoire de l’art, also Kunstgeschichte.

 

Modulaufbau

Ich selbst habe den Master Recherche gemacht, worum es im Folgenden gehen soll.

Das erste Jahr, also der Master 1, ist noch recht allgemein gehalten. Allerdings kann man hier schon die Seminare so wählen, dass sie für den Master 2 nützlich sind.

Das wichtigste im Master Recherche ist die Masterarbeit. Im Master 1 zählt sie 18 von 60 ECTS. Man verbringt also die meiste Zeit damit, an seinem Thema zu arbeiten.

Das erste Semester sieht wie folgt aus:

  1. Hauptseminar 14 ECT
  2. Hauptseminar 14 ECTS
  3. Sprach-TD 2 ECTS

Und das zweite Semester:

  1. Hauptseminar 5 ECTS
  2. Hauptseminar 5 ECTS
  3. Sprach-TD 2 ECTS
  4. Masterarbeit 18 ECTS

Anders als in Deutschland, wo man die Bachelor- und Masterarbeit unabhängig von den anderen Modulen anmelden, schreiben und abgeben kann, ist sie in Frankreich Teil des Moduls. Sie muss also parallel zu den Semestern geschrieben werden. Auch haben alle das gleiche Abgabedatum.

Bei überschreiten des Datums ist man durchgefallen und muss in die zweite Prüfungsphase. Sollte man auch dort durchfallen, muss in Frankreich das gesamte Uni-Jahr wiederholt werden und nicht nur die Arbeit.

Was die anderen Kurse betrifft, so gibt es in Frankreich eine Besonderheit, die man aus Deutschland nicht kennt: Hat man etwas nicht bestanden, kann sich eine schlechte Note mit einer guten ausgleichen, wenn beide zusammen mindestens eine 10 ergeben, was in Deutschland der Note 4 entspricht. Liegt man im Durchschnitt unter 10, muss das gesamte Jahr wiederholt werden.

Es ist also ein wenig wie in der Schule: Jedes Jahr muss als Ganzes bestanden werden.

 

Inhalt

Welche Kurse man belegt ist einem selbst überlassen. Wenn man aber vor hat, sich im Master 2 auf z.B. Gartenkunst zu spezialisieren, so wird natürlich empfohlen, auch schon im Master 1 das entsprechende Seminar zu belegen.

Ich war in einem Seminar zu Techniken zu wissenschaftlichem Arbeiten.

Besonders interessant war auch das Seminar zu Conservation-Restauration. Der Prof, ein Mexikaner, war nicht nur total sympathisch, sondern hatte sehr viel praktische Erfahrung und brachte uns viele praktische Beispiele.

Aus diesem Seminar habe ich besonders viel mitgenommen und wurde für Dinge sensibilisiert, die mir nun bei meinen Museumsbesuchen ins Auge fallen. Und zwar ging es da nicht um die Ikonographie, also den Inhalt eines Bildes oder eines Kunstwerks, sondern um die Art und Weise wie es ausgestellt wird.

Dabei geht es um Fragen wie: Wie sind die optimalen Verhältnisse von Licht, Raumfeuchtigkeit und Temperatur gegeben? Ist das Objekt stabil angebracht? Wird die Art der Ausstellung dem Kunstwerk gerecht?

Vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, dass manche Räume in Museen abgedunkelt sind? Das liegt daran, dass nur eine bestimmte Anzahl an Lux (Lichteinheit) für ein Objekt zugelassen ist, um die Farbmoleküle auf Dauer nicht zu schädigen.

Oder ein Objekt wird nur so und so viele Monate ausgestellt und kommt dann wieder ins Depot, abgedunkelt und unter konstanten Verhältnissen. Das liegt daran, dass die UV-Strahlung die Farben angreift.

Die Aufgabe des Konservators besteht nun darin, all diese Dinge zu berechnen und zu bestimmen wie, wann, wo und zu welchen Bedingungen ein Objekt ausgestellt wird.

Ein anderes Beispiel: Aktuell wird in den Arabischen Emiraten das Kunstmuseum „Louvre Abou Dhabi“ gebaut. Viele Kunstwerke aus Paris sollen dort ausgestellt werden. Darunter eine Skulptur von Rodin.

Die Emiratis wollten die Skulptur draußen im Garten haben. Die Restauratoren haben dann berechnet, wie das Wüstenklima die Skulptur beeinflussen würde. Gehe man deren Wunsch nach, so müsse die Skulptur nach nur 6 Monaten restauriert werden.

Letztendlich hat man sich darauf geeinigt, dass eine Kopie in den Garten kommt und das Original in die ideal klimatisierten Innenräume.

Das Seminar war voll von solchen Beispielen, was es sehr interessant und sehr lehrreich machte.

 

Man muss zusätzlich noch eine Fremdsprache wählen. Dabei hat man freie Wahl aus einer Vielzahl der modernen Sprachen. Auch im zweiten Semester macht man einen Sprachkurs. Man kann auf den ersten aufbauen, aber auch eine andere Sprache wählen.

 

Mein erstes Seminar im zweiten Semester war „Actualité du Patrimoine“. Nach der Einführung in der ersten Woche, zwei oder drei Gastvorträgen, wurden hier hauptsächlich Referate gehalten, bei denen jeder Studierende sein Thema der Masterarbeit vorstellte.

Man bekommt dann Feedback und Tips für das weitere Vorgehen vom Prof. Und wie das halt so ist, es bringt den anderen meistens nicht viel.

Ein paar interessante Aspekte waren natürlich dabei. Aber insgesamt habe ich aus dem Seminar nicht viel mitgenommen.

Das zweite Seminar war dagegen um so toller. Es ging um den Künstler Robert Delaunay.

Ich habe dieses Seminar geliebt. Und zwar aus folgenden Gründen: keine Referate, der Prof hatte tolle Präsentationen und er sprach in einer Art und Weise, die mich einfach mitnahm.

Zum einen war der Inhalt wirklich interessant. Und zum anderen fand ich sein Französisch super. Die Formulierungen und die Aussprache waren sehr angenehm. Wenn ich es mit einem Wort beschreiben müsste: elegant!

Das zweite Semester schließt mit nur einer Woche Ferien direkt an das erste an. Dadurch  ist man wesentlich früher mit der Vorlesungszeit des zweiten Semesters durch als in Deutschland.

Das heißt, Mitte April fängt die erste Klausurphase an. Mitte Juni ist in der Regel die Abgabe der Arbeit. Die zweite Abgabephase ist im September.

 

Institut und Bibliotheken

Als Masterstudent hat man Zugang zu allen Archiven und Bibliotheken in Paris. Ich habe für meine Recherchen viel Zeit in den Archiven des Louvre und des Musée de Cluny verbracht.

Ich habe es sehr genossen in den alten Akten zu blättern, alte Fotos anzuschauen, die Korrespondenz von schon verstorbenen Direktoren zu lesen, zu sehen wie die Kunstwerke früher ausgestellt waren…

Im Archiv des Louvre hat man aus dem Fenster den Blick auf die Seine…

Ich weiß, man muss so etwas lieben. Und genau das tue ich. Es war für mich das reinste Vergnügen!

Eine andere Besonderheit im Master ist, dass die Seminare nicht mehr im Institut der Universität stattfinden, sondern im Institut national d’histoire de l’art, kurz INHA, also im Nationalinstitut für Kunstgeschichte. (siehe Foto)

Dieses befindet sich in der Galerie Colbert, im 2. Arrondissement, ganz in der Nähe vom Louvre, vom Palais Royal, der Comédie Française, der Opéra Garnier…

Hier finden außerdem regelmäßig Konferenzen und Kolloquien statt und alle Professoren haben hier ihre Büros.

Direkt gegenüber vom INHA ist die alte Bibliothèque nationale mit wunderschönen alten Bibliothekssälen. Im Master 1 habe ich dort sehr gerne im Salle Ovale gearbeitet.

Die Arbeit im Master 1 muss in etwa aus 60 Seiten bestehen.

Das Unijahr endet damit, das man zur Soutenance muss. Das heißt übersetzt „Streitgespräch“. Das klingt schlimmer als es ist.

Praktisch sieht es so aus, dass man seinem betreuenden Professor,  und dem Zweitkorrektor gegenübersitzt. Man stellt dabei die Masterarbeit und den Ablauf seiner Forschung dazu vor. Anschließend geben beide Profs ihre Beurteilung ab. Mehr ist das nicht.

Wenn man alles bestanden hat, ist man nach dem Ende der Soutenance tatsächlich fertig mit dem Master 1.

Es kann dann noch ein paar Tage dauern, bis man sein Zeugnis im Sekretariat abholen kann.

Falls man den Master 2 direkt hinterherschicken möchte, muss man sich im Juni um die Bewerbung kümmern.

In Frankreich ist es so, dass man Master 1 und Master 2 unabhängig voneinander betrachtet. Man kann auch eine Pause von mehreren Jahren dazwischen machen.

Ich hatte mich dazu entschieden, das zweite Jahr direkt anzuschließen.

Und darum soll es im nächsten Teil dieser Serie gehen. Hier gelangst du zum Artikel „Master 2 an der Université Panthéon-Sorbonne“.

Im letzten Artikel dieser Serie werde ich nochmal auf den Master 1 eingehen. Und zwar bewerte ich dort ganz persönlich das französische Uni-System.

 

Au revoir,

Deine Anna

 

 

 

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