Auslandsstudium Teil 7: À titre individuel – Vorbereitung für ein Master-Studium in Paris

Ein Master-Studium in Paris auf eigene Faust

Das Austauschprogramm ERASMUS organisiert und begleitet Studierende bei ihrem Auslandsstudium. Doch wenn du dich auf eigene Faust einschreiben möchtest, ohne an eine deutsche Uni geknüpft zu sein, erfordert es nochmal einen anderen Aufwand.

Wo du das Erasmus-Studium relativ locker sehen kannst, wird es als eigenständig eingeschriebener Studierender wirklich ernst.

In diesem Beitrag berichte ich die Entwicklung und Vorbereitung von der Idee, den Master in Paris zu machen, bis zur Einschreibung an der Université Pantheon-Sorbonne. 

Wer die Teile 1-6 dieser Serie gelesen hat, wird verstanden haben, dass ich sehr schnell den Wunsch verspürt habe, nach meinem Erasmus-Jahr wieder nach Paris zu gehen.

Und noch bevor ich zurück nach Köln kam, habe ich mich an der Universität in Paris erkundigt, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um den Master als eigenständig eingeschriebener Studierender – à titre individuel – dort machen zu können.

Man sagte mir, es gäbe keine besondere Einschränkung für ausländische Studierende, man müsse die Bewerbung fristgerecht abschicken. Was genau die Bewerbung enthalten soll, findet man auf der Webseite jeder französischen Uni in der Rubrik „International“.

Jede Uni hat andere Einschreibefristen. Auch sind die für Ausländer früher als die für Einheimische. Ich hatte mir also die Frist schon Monate vorher aufgeschrieben und an meine Wand gepinnt, um sie ja nicht zu verpassen.

In Frankreich ist es außerdem so, dass man nur zum Wintersemester einsteigen kann. Man spricht zwar auch von Semestern, jedoch hängen beide sehr eng zusammen. Man kann auch nicht einfach ein Modul ins nächste Semester schieben.

Jedes Semester und das gesamte Jahr müssen bestanden werden, um ins nächste Jahr zu kommen. In Frankreich besteht der Master auch aus zwei Jahren. Jedoch muss man sich für jedes Jahr bewerben und auch zwei Masterarbeiten schreiben.

Wie gesagt, es gibt also nur die Einschreibung zum Wintersemester. Was in meinem Fall bedeutete, dass ich nach meiner Rückkehr vom Erasmus-Jahr noch das 5. und 6. Semester Zeit hatte, um mein Bachelor-Studium abzuschließen, wollte ich den Master in Paris sofort anschließen.

In Kunstgeschichte war das kein Problem, ich musste nur noch zwei Hauptseminare abschließen.

In Französisch sah das anders aus. Ich war ja schließlich nach Paris gegangen, um wirklich Französisch zu lernen, weil ich vorher an der Uni Schwierigkeiten in der Sprache hatte.

Ich musste also in Französisch noch ein Grundlagenseminar, ein gesamtes Modul in Sprachpraxis, ein Hauptmodul in Sprachwissenschaft und ein Hauptseminar in Literaturwissenschaft machen.

Hinzu kam noch das Latinum, das man bis zur Anmeldung der Endprüfungen haben muss.

Wer Teil 5 dieser Serie gelesen hat, weiß, dass ich darüber hinaus am Institut Français einen Sprachkurs gemacht habe.

Am Ende des 6. Semesters habe ich dann auch die mündliche Prüfung in Kunstgeschichte, die schriftliche Prüfung in Französisch und die Bachelorarbeit abgeschlossen.

Als ich das alles beim Prüfungsamt anmelden wollte, fragte man mich skeptisch, wie ich denn alle Prüfungen auf einmal schaffen wolle. Ich erklärte, dass ich vorhabe zum Masterstudium nach Paris zu gehen.

Und sollte ich im 6. Semester nicht alles schaffen, müsse ich noch ein ganzes Jahr bis zur nächsten Einschreibung warten. Und ich sei auch bereit Nächte durch zu lernen, wenn nötig. Die Dame im Prüfungsamt meinte daraufhin nur: „Das werden Sie auch müssen.“ Und sie klärte mich über eventuelle Wiederabmeldungen von Prüfungen auf.

Wer selbst studiert oder studiert hat, der weiß wieviel das ist. Und ich kann bestätigen, es war sehr, sehr intensiv.

Und sie hatte Recht. Ich habe mehrere Nächte mit lernen verbracht. Abgesehen davon, war mein Nebenjob auch Studentische Nachtwache in einer Psychiatrie.

Das gesamte letzte Jahr an der Uni Köln hatte ich keinen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus.

Ich empfehle es auf keinen Fall, es genau so zu machen. Es sei nur darauf hingewiesen, dass man bereit sein muss, Opfer zu bringen, wenn man etwas unbedingt will.

Nach der Reaktion der Dame im Prüfungsamt war ich ein wenig verunsichert, ob ich das wirklich schaffen könnte. Aber die Vorstellung zurück nach Paris zu gehen war so eine große Motivation für mich, dass ich mir sagte, ich versuche es, ich gebe alles. Wenn es klappt, dann freue ich mich riesig. Wenn nicht, dann eben nicht.

Einerseits wollte ich es unbedingt, andererseits wollte ich mich nicht darauf versteifen, um eine Enttäuschung so klein wie möglich zu halten.

Ich habe natürlich auch über Alternativen nachgedacht. Wäre ich in Deutschland geblieben, so hätte ich mich in Bonn und Berlin beworben. Ich sagte mir: Das sind auch tolle Städte. Aber trotz allem war mein Antrieb der Gedanke an Paris.

Die Anmeldefrist ging bis zum 31. März 2015. Sobald man die Bewerbung online abgeschickt hat, bekommt man einen Link per E-Mail, über den man auf eine Seite gelangt, auf der genau aufgelistet ist, welche Unterlangen man per Post an die Uni schicken muss: Motivationsschreiben, CV, Sprachzertifikat C1, Empfehlungsschreiben und ein Ausdruck von der Online-Bewerbung mit Unterschrift.

Innerhalb von 14 Tagen schickt man die Unterlagen an die Uni. Danach beginnt das Warten. Da ich aber schwer beschäftigt war, wie oben beschrieben, habe ich mich auf den Uni-Kram fokussiert.

Die Einschreibefristen an den deutschen Unis waren Ende Juni. Anfang Juni dachte ich dann daran, Bewerbungen für Bonn und Berlin vorzubereiten, worauf ich aber nicht wirklich Lust hatte.

Und dann, Mitte Juni kam die ersehnte Zusage aus Paris! Zuerst per E-Mail, dann per Post.

Das gab mir dann den letzten Motivationsschub für die letzten Wochen: 8. Juli mündliche Prüfung in Kunstgeschichte, 21. Juli schriftliche Prüfung in Französisch, 10. August Abgabe der Bachelorarbeit.

Dazu kam das Rennen hinter den Noten der Seminararbeiten: E-Mails an Professoren, Nachfragen in den Instituten, das Sekretariat rief Professoren an um sie zu bitten, mir die Noten einzutragen (es waren schon Semesterferien).

Die Note der mündlichen Prüfung hatte ich sofort. Die schriftliche Prüfung wird von zwei Korrektoren gelesen, sowie die Bachelorarbeit. Ich hatte die Dringlichkeit der Situation vorher mit meinem Professor besprochen und er versprach mir, die Bachelorarbeit schnell zu korrigieren.

Beim Prüfungsamt hatte ich ebenfalls Druck gemacht. Ich musste mich nämlich an der Uni in Paris am 4. September mit der Bachelor-Urkunde einfinden. Ich bin meinen Professoren und dem Prüfungsamt wirklich sehr dankbar. Es wurde wirklich alles dafür getan, dass es klappt.

Am 2. September erhielt ich die E-Mail, ich könne meine Urkunde abholen. Da stieg ich gerade in den Zug von Paris nach Köln, ich war da nämlich schon auf Wohnungssuche in Paris gewesen. Am 3. September war ich um 10 Uhr beim Prüfungsamt und erhielt die Urkunde mit Abschlussunterlagen. Am Nachmittag des selben Tages saß ich wieder im Thalys nach Paris und konnte mich am 4. September einschreiben.

Uff, das letzte Unijahr in Köln war der reinste Marathon. Aber es hat tatsächlich geklappt. Ich bin allen Personen, die daran beteiligt waren, mir das zu ermöglichen, unendlich dankbar!

Mein Fazit: Alles ist eine Frage der Motivation und der Kommunikation.

Ich habe von meiner Seite alles gegeben. Und ich habe mit Menschen gesprochen und die Dinge erklärt. Alle waren bereit das Nötige zu tun, um die Hindernisse zu überwinden.

Und mein Appell an alle Studierende: Gebt alles wenn ihr es wirklich wollt und sprecht aus was ihr von anderen braucht, wie euch andere dabei helfen können!

 

Im nächsten Teil geht es konkret um das Studium des Master 1 an der Université Panthéon-Sorbonne im Fach Kunstgeschichte. Sei dabei!

 

A bientôt !

Deine Anna

 

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