Auslandsstudium Teil 6: Praktikum in Paris – Musée de Cluny

Studenten sind faul. Studenten schlafen lange. Studenten haben ein laues Leben. Und außerdem haben Studenten !! zwei Monate !! Semesterferien.

Wer selbst nicht studiert hat, sagt jetzt: „Richtig, unmöglich diese Studenten!“

Wer studiert hat oder immer noch studiert, sagt: „Pflichtanwesenheit, sonst fällt man durch. Unter der Woche Uni, nachts und am Wochenende arbeiten. Und zum Thema Semesterferien… NUR zwei Monate für mindestens zwei Hausarbeiten… und dann auch noch ein Praktikum, also das wo man unbezahlt arbeiten geht…“ 

Und das ist das Stichwort: Praktikum!

Es stimmt, man arbeitet für lau. Materiell gesehen. Man bekommt stattdessen etwas viel wertvolleres: Erfahrungen!

Und das lohnt sich!

In diesem Artikel berichte ich von meinem Praktikum im Musée National du Moyen Âge – Musée de Cluny.

 

Vorbereitung

Als ich nach meinem Erasmus-Jahr zurück nach Köln kam, hatte ich erstmal lange Semesterferien, da dass Unijahr ihn Frankreich anders aufgebaut ist und daher früher aufhört.

Ich wollte meine Zeit sinnvoll nutzen und habe ein Praktikum im Wallraf-Richartz-Museum gemacht. Dort habe ich so viel gelernt und so stark davon profitiert, dass ich in den nächsten Semesterferien noch ein weiteres Praktikum machen wollte.

Ich hatte außerdem die Idee, für das Masterstudium nach Paris zurückzugehen. Daher dachte ich mir, ein Praktikum in Paris wäre sehr nützlich.

Ich fing an, mich im Internet zu erkundigen. Da ich zu der Zeit sehr an mittelalterlicher Kunst interessiert war und im 5. Semester auch ein Mittelalter-Seminar in Köln hatte, sprach ich mit meiner Professorin über meinen Wunsch, im Musée Cluny in Paris ein Praktikum zu machen.

Durch einen glücklichen Zufalls kannte meine Professorin eine Person, die gute Kontakte zum Musée Cluny hatte. Diese Person nahm Kontakt mit der Direktorin auf, die sofort sehr positiv reagierte, mich aber um eine formelle Bewerbung bat.

Etwa 10 Tage nach meiner Bewerbung erhielt ich eine sehr freundliche Zusage. Ich wurde dann auch von der Konservatorin für Tapisserien kontaktiert, bei der ich das Praktikum machen wollte.

 

Im Musée de Cluny

Am ersten Praktikumstag wurde ich am Empfang abgeholt und mir wurde mein Arbeitsplatz im Büro von meiner Vorgesetzten gezeigt. Ich bekam einen Laptop, mein Passwort, E-Mail-Adresse, Schlüsselkarte.

Anschließend wurde ich von Büro zu Büro geführt und dem gesamten Team vorgestellt. Zuletzt der Direktorin, die mich sehr freundlich begrüßte und mir den aktuellen Museumsführer schenkte.

Mein Arbeitstag entsprach dem der anderen. Beginn um 9 Uhr, Pause von 13-14 Uhr, Feierabend um 18 Uhr. Ich habe in den vier Wochen Praktikum sehr verschiedene Einblicke erhalten können. Ich unterscheide sie in aktive und passive Eindrücke.

Die aktiven Eindrücke waren die, die mit bestimmten Aufgaben, bewussten Handlungen verbunden waren, in die ich eingebunden war.

Unter passiven Eindrücken verstehe ich die Dinge, die man so nebenbei mitbekommt, die vielleicht unscheinbar sind, sich aber dennoch einprägen und ein bestimmtes Gesamtbild entstehen lassen.

Um ein Beispiel zu geben: Eine Person im Büro, die für den Transport von Kunstwerken zuständig war, telefonierte mit einem Museum in Italien, dass an Objekten des Musée de Cluny für eine Sonderausstellung interessiert war. Ich bekam durch das Gespräch Informationen zu Verpackung, Versicherung und Versand von Kunstwerken mit.

Ein weiteres Beispiel: Als ich an einem besucherfreien Tag ein wenig Zeit hatte um mir das Museum anzuschauen, kam ich an einem Team vorbei, das damit beschäftigt war, 3D-Scans von Skulpturen anzufertigen, was ich zum ersten Mal sah.

Durch solche „passiven“ Eindrücke wurde ich für Bereiche sensibilisiert, über die ich vorher nicht nachgedacht hatte.

Das Praktikum im Musée de Cluny, aber auch ein Jahr vorher im Wallraf-Richartz-Museum, war voll von solchen Eindrücken, die mein Bewusstsein auf die unterschiedlichsten Bereiche in der Museumsarbeit gelenkt haben, von denen ich bis heute noch profitiere.

Wer sich inhaltlich für das Praktikum interessiert, kann auf meinen Praktikumsbericht klicken und lesen, was genau ich im Museum gemacht und erlebt habe.

 

Der Nutzen von Praktika

Ich kann jedem Studierenden nur empfehlen, Semesterferien dazu zu nutzen, praktische Erfahrungen im studierten Berufsfeld zu sammeln. Es macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, man nimmt nebenbei viel mit.

Sehr oft bilden sich Verknüpfungen von Erlebtem zu dem was man im Hörsaal hört. Es ist sehr nützlich, solche Verknüpfungen breit zu fächern. Neben Praktika bieten sich dazu auch Exkursionen an und auch ganz einfach private Museums- und Ausstellungsbesuche.

Das klingt banal, natürlich geht man ins Museum wenn man Kunstgeschichte studiert. Aber in der Realität kann man sich schnell im Alltag verlieren und die Tage und Wochen vergehen.

Aber wie bei allem: Übung macht den Meister. Und gerade in Kunstgeschichte muss man schauen um zu lernen!

Da das Praktikum in Paris nach meinem Auslandsjahr stattfand, lief die Verständigung im Museum schon sehr flüssig.

Franzosen sind prozentuell weniger fremdsprachenbegabt. Ich muss dazu sagen, dass natürlich die gleichen Voraussetzungen gegeben sind. Fakt ist aber, dass vor allem die ältere Generation nur sehr beschränkt Fremdsprachen beherrscht. Daher sind Franzosen auch begeistert, wenn Ausländer Französisch sprechen. Im Musée de Cluny wurde das sehr deutlich.

 

Übrigens, im 5. Teil dieser Serie habe ich über Sprachkompetenz in Französisch, das Institut Français und den DALF-C1-Test berichtet.

Im nächsten Teil geht es um meine Vorbereitung für das Masterstudium in Paris.

 

A bientôt!

Deine Anna

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