Auslandsstudium Teil 5: Sprachkompetenz und Institut Français

Wer „Ausland“ denkt, denkt im nächsten Schritt „Fremdsprache“. Wenn man nun die Sprache nicht kann, aber in genau das Land möchte, hat man mehrere Möglichkeiten, damit umzugehen.

  1. Man akzeptiert die eingeschränkte Kommunikation und schlägt sich so durch.
  2. Man lernt die Sprache!

In diesem Artikel möchte ich erklären, welches Sprachniveau man haben muss, um in Frankreich studieren zu können. Ich berichte auch von meinen Erfahrungen im Institut Français in Köln und dem DALF-C1 Test. 

Laut Sprachexperten liegt der Schwierigkeitsgrad beim Lernen von Französisch bei 9 von 10. D.h. Französisch ist sehr schwer zu lernen!

Das soll dich jetzt nicht verunsichern. Ich möchte dir nur bewusst machen, dass man es wollen und entsprechend Einsatz zeigen muss.

Ganz unter uns: Ich war anfangs echt nicht gut in Französisch. Ich wurde von Kommilitonen blöd angeschaut. Auf deren Stirn stand förmlich geschrieben: Mann, bist du schlecht.

Das erzähle ich dir, damit du nicht denkst: Die Anna hat gut reden, die kann Französisch.

Ich konnte es wirklich nicht.

Nach einem Jahr in Frankreich hat sich das Blatt total gewendet.

Auf der Stirn meiner Kommilitonen las ich: Hast du es gut, du kannst Französisch!

In den Seminaren fragte man mich: Was hat der Prof gesagt? Kann ich mit dir die Partnerarbeit machen? Kann ich mit dir für die Klausur lernen? …

Und das erzähle ich dir, damit du mir glaubst, was ein Jahr im Ausland ausmacht.

 

Erasmus-Studium

Möchte man Erasmus machen, sollte man in der Regel das Sprachniveau B2 entsprechend des europäischen Referenzrahmens haben.

Nun ist es so, dass die Übungen in Sprachkompetenz an der Uni bestimmten Niveaus zugeordnet sind. D.h. wenn ich das Studium an der Uni beginne, mache ich einen Sprachtest, durch den ich eingestuft werde.

Fängt man bei Null an, beginnt man mit den Vorkursen in Niveau A1, dann A2. Die regulären Übungen/Seminare beginnen dann bei B1, später B2. Beginnt man also im ersten Semester mit A1, ist man im 4. Semester bei B2.

Wird man von Anfang an bei B1 eingestuft, ist man bereits im 2. Semester bei B2. Soweit die Theorie.

Man kann aber auch durch lernen und pauken die Klausuren bestehen und theoretisch im Niveau steigen. Das bedeutet praktisch aber nicht, dass man tatsächlich dieses Niveau hat.

Wenn man nun zum Studium ins Ausland will, kann man natürlich B2 angeben, wenn man die entsprechenden Kurse gemacht hat. Es wird kein Mensch im Ausland kontrollieren und man muss kein Sprachzertifikat nachweisen.

Man wird selbst schon ganz schnell merken, wo das tatsächliche Niveau liegt, sobald man in Frankreich im Hörsaal sitzt.

 

Selbstständig eingeschrieben „à titre individuell“

Ganz anders verhält es sich, wenn man selbstständig eingeschrieben in Frankreich studieren möchte.

Für das Bachelorstudium in Frankreich muss man B2 haben. Für den Master braucht man C1. Und da führt kein Weg dran vorbei.

Man muss ein anerkanntes Zertifikat mit den Bewerbungsunterlagen einreichen. Es steht zwar im Modulhandbuch, dass man mit Abschluss des Bachelorstudium Niveau C1 hat, das ist aber genau so theoretisch wie im ersten Abschnitt beschrieben.

Man kann das Studium mit Ach und Krach bestehen, hat dann aber trotzdem nicht unbedingt Niveau C1 in der Sprache. Du kommst auch im Masterstudium in Frankreich nicht mit, wenn du zu wenig versteht.

Kümmere dich also schon vorher darum, um deine Chancen zu erhöhen. Ich habe direkt nach meinem Auslandsjahr begonnen, mich zu erkundigen. Im 5. Semester an der Uni Köln, habe ich nebenbei Sprachkurse am Institut Français in Köln genommen.

 

Institut Français in Köln und DALF-Test

Das Institut bietet verschiedene Kurse an. Man kann Gruppenkurse machen, die natürlich auch günstiger sind. Ich hatte mich für einen Einzelunterricht entschieden, der mich vor allem auf den DALF C1-Test vorbereitet hatte.

10 x 1,5 Stunden kosteten 800 €. Es ist viel Geld, aber das war es wert.

In erster Linie wollte ich ja das Sprachzertifikat haben, um mich in Frankreich bewerben zu können. Man kann diesen Sprachtest ebenfalls im Institut Français machen, er ist aber nicht automatisch in diesem Kurspaket enthalten.

Das ganze ist natürlich wieder mit Kosten verbunden. Als Studentin habe ich 108 € für den Test gezahlt.

Der Test läuft folgendermaßen ab:

Es werden vier Bereiche geprüft: Hörverständnis, Leseverständnis, Mündliche Produktion und Schriftliche Produktion. Jeder Teil zählt 25 %. Man muss insgesamt mindestens 50% haben, und mindestens 5% in jedem der vier Bereiche, um zu bestehen.

Nach ein paar Wochen bekommt man einen vorläufigen Bescheid mit den Ergebnissen. Es dauert dann nochmal 4 Monate bis das offizielle Zertifikat vom französischen Bildungsministerium eintrifft.

Dieses Zertifikat wird voll anerkannt von allen öffentlichen Stellen und ist vier Jahre lang gültig. Ich habe es also sowohl für die Bewerbung des Master 1 als auch des Master 2 verwendet.

Ich kann sowohl den Kurs als auch den Test am Institut Français absolut empfehlen!

Der Kurs, genauer gesagt meine Lehrerin Joan Ponchon, hat mich wirklich sehr gut auf den Test vorbereitet.

Ich habe den Test an zweit Tagen gemacht. Am ersten Tag wurde ich in mündlicher Produktion geprüft.

Mündlicher Ausdruck:

Man bekommt zwei verschiedene Texte angeboten und hat etwa 5 Minuten Zeit, sich eins der beiden Themen auszusuchen. Anschließend bekommt man etwa 1h15 um den Text durchzuarbeiten und ein Kurzreferat  vorzubereiten. Anschließend trägt man es den zwei Prüfern vor, auf Französisch natürlich. Darauf folgt noch eine Diskussion von etwa 15 min zu diesem Thema.

Hörverständnis:

Am zweiten Prüfungstag haben wir mit Hörverständnis begonnen. Man bekommt einen Bogen mit Fragen und jeweils mehreren Antwortmöglichkeiten. Es werden dann kurze Dialoge abgespielt auf die sich die Fragen beziehen. In wenigen Minuten muss man die richtigen Antworten ankreuzen. Dieser Teil ist relativ kurz. Ich erinnere mich nicht genau an die Zeitspanne, es war aber ziemlich schnell vorbei.

Leseverständnis:

Man bekommt einen Text von etwa drei Seiten, den man durcharbeitet und schriftlich Fragen dazu beantwortet.

Schriftlicher Ausdruck:

Zum Schluss muss man ein Essay schreiben. Man bekommt ein weiteres Thema mit einem etwa zweiseitigen Text und hat 2h30 Zeit, um das Essay zu schreiben. Man sollte dabei auch auf die Form achten, es geht nicht nur um den Inhalt. Wer Französisch studiert, weiß was ich meine: Einleitung mit Plan…, wieviele Zeilen man wo freilassen muss etc., denn das Gesamtbild zählt auch.

 

Das Institut Français ist auch einen Besuch wert, selbst wenn man keinen Kurs oder Test machen möchte. Das Institut bietet kulturelle Veranstaltungen, Kino, Musik, Lesungen etc.

Ich habe vor allem die Mediathek sehr geschätzt. Der Jahresbeitrag beträgt 18 €. Man hat Zugang zu französischen Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Filmen und Musik, die man auch ausleihen kann.

Ich kann jedem/r Interessierten empfehlen, sich das Institut anzuschauen. Allen Französischstudierenden sowieso. Es gibt ein Institut Français in jeder größeren deutschen Stadt.

Zum Schluss möchte ich mich nochmal an Französisch-StudentInnen wenden:

Man sagt uns von Anfang an, dass man viel lesen und hören soll. Ich verstehe sehr gut, dass man anfangs das Gefühl hat, dass das nichts bringt wenn man sowieso kaum was versteht.

Aber es kommt trotzdem im Gehirn an. Mir gingen später viele Lichter auf, als mein Französisch flüssig wurde und ich vorher Gehörtes und Gelesenes plötzlich verstand und Verknüpfungen entstanden.

Also, nur Mut! Mit jeder neuen Sprache öffnet sich eine neue Welt!

 

Das Jahr in Frankreich hat die nötige Basis geschaffen. Der Intensivkurs am Institut Français hat mir geholfen, mein Sprachniveau auszubauen, was mir gleichzeitig auch in Bezug auf die Uni geholfen hat.

Der Test war notwendig, um weiter in Frankreich studieren zu können.

Hinzu kam noch, dass ich weiter regelmäßigen Kontakt zu französischen Muttersprachler hatte.

All diese Dinge zusammengenommen, haben mich in kurzer Zeit sehr weit gebracht.

Das heißt nicht, dass es nur so funktioniert. Aber ich empfehle doch, sich nicht nur auf eine Sache zu verlassen, sondern die Fremdsprache auf verschiedenen Ebenen in seinen Alltag einfließen zu lassen.

Ich habe durch die gute Beherrschung der Sprache ein sehr sicheres Gefühl bekommen. Das hat dann dazu geführt, dass ich mich getraut habe, mich auch ohne die Bindung an eine Organisation oder eine Uni in Frankreich zu bewerben.

In den letzten Semesterferien an der Uni Köln habe ich in Paris ein Praktikum im Museum gemacht.

Darüber berichte ich im nächsten Teil.

Hier geht es weiter zu Teil 6: „Praktikum in Paris – Musée de Cluny“.

 

À bientôt !

Deine Anna

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