Auslandsstudium Teil 4: ERASMUS in Paris – soziales Leben

Was mache ich außerhalb der Uni in Paris?

In Teil 3 habe ich davon berichtet, wie das Erasmus-Studium der Kunstgeschichte in Paris aufgebaut ist, also meinen damaligen Uni-Alltag.

In diesem Artikel möchte ich dir ein wenig davon erzählen, was ich in meiner Freizeit so erlebt habe. 

 

Leben und Unternehmungen in Paris

Das soziale Leben ist natürlich bei jedem sehr unterschiedlich. Wenn man zum Studieren ins Ausland geht, hat man Erwartungen, Vorfreude, vielleicht aber auch Sorgen oder sogar Angst…

Manche Studierende leiden, weil sie ihre Familien und Freunde zu sehr vermissen.

Ich hatte eine Kommilitonin, bei der die Wohnsituation so schrecklich war, dass es den Alltag so unerträglich gemacht hat, dass die Person am liebsten wieder zurück nach Deutschland gefahren wäre.

Es gibt euch Studierende, die den Erasmus-Aufenthalt abbrechen, weil sie sich so unwohl fühlen.

Wenn man mit Kommilitonen ins Ausland geht, hat man ja von Anfang an Bezugspersonen. Es war zwar auch eine Person von meiner Uni dabei, wir kannten uns vorher aber nicht.

Wie bereits in dem Artikel „Auslandsstudium Teil 2“ gesagt, sobald die Uni losgeht, finden sich die Grüppchen der eigenen Landsleute zusammen, oder man hat gemischte Gruppen, aber meist nur aus Erasmus-Studenten bestehend.

Wir hatten uns für gemeinsame Unternehmungen verabredet. Da wir ja eine Kunstgeschichts-Gruppe waren, haben wir hauptsächlich kulturelle Sachen unternommen.Wir haben z.B. die Opéra Garnier besucht, oder nahmen an einem Tagesausflug zum Schloss Chantilly teil.

Letzterer wurde von Parismus organisiert. Das ist ein französischer Verein für Auslandsstudenten. Man lernt da natürlich nochmal mehr Leute aus aller Welt kennen.

Natürlich sind wir auch an Wochenenden zusammen ausgegangen, oder haben uns gegenseitig zuhause besucht. Man merkt dann auch, mit wem man sich besser versteht und trifft sich dann auch mal im kleinen Rahmen auf nen Kaffee…

Ich bin z.B. mit einer Freundin in die Comédie-Française gegangen. Wir haben uns den Klassiker „Don Juan“ angeschaut.

Für Studenten gibt es in Paris auch immer Sondertarife. Wir haben für die Comédie-Française nur 13 € pro Person gezahlt.

Woran ich mich auch gerne erinnere, sind die Museumsbesuche. Mal mit der einen, mal mit der anderen Freundin.

Gerade wenn man Kunstgeschichte studiert, bietet Paris so unendlich viele Möglichkeiten.

Wir sind also manchmal abends nach der Uni in den Louvre gegangen und haben uns die Kunstwerke im Original angeschaut, über die wir zuvor in der Vorlesung gesprochen haben.

 

Einheimische Pariser kennen zu lernen ist nochmal eine andere Geschichte. In meinem Fall war es eher schwierig. Obwohl man immer mal angesprochen wird wenn man allein in einem Café sitzt, im Museum ist oder sont einfach nur so draußen unterwegs ist.

In Frankreich wird man sehr schnell angesprochen. Diese Offenheit scheint kulturell bedingt zu sein.

Um es genau auf den Punkt zu bringen: Es ist fast eine Frage der Höflichkeit, dass Männer Frauen Komplimente machen. Das kann anfangs etwas verwirrend sein, da es in Deutschland ja nicht gerade der Norm entspricht.

Sobald man es durchschaut hat, kann man sich entspannen, denn es gehört hier sozusagen zum guten Ton. Französinnen sind daran gewöhnt und finden die deutsche Trockenheit dagegen befremdlich.

Dazu kann ich eine kleine Anekdote erzählen: Eine Professorin in Köln berichtete von einer französischen Studentin, die zum Auslandsjahr nach Deutschland kam. Nach ein paar Wochen klagte diese Französin, dass sie sich so hässlich fühle, da ihr die deutschen Männer überhaupt keine Komplimente machten… du siehst, es ist kulturell 😉

 

An der Uni ist doch eher das Gegenteil der Fall. Von den einheimischen Studierenden darf man nicht erwarten, dass sie auf einen zugehen.

Ich habe eine einzige Studentin kennengelernt, die von sich aus mit uns Ausländern was unternehmen wollte.

Man muss da schon viel Eigeninitiative aufbringen.

Aber keine Sorge, du wirst schon Freunde finden. Lächle, frage freundlich, baue du selbst aktiv Kontakte auf, dann wird das schon.

Man hat ja auch noch seine eigenen Freunde und Familie aus Deutschland. So ein Auslandsaufenthalt bietet natürlich die Möglichkeit, dass man von ihnen besucht wird.

Oft gehen auch andere Freunde gleichzeitig ins Ausland, in andere Städte oder Länder. Da bietet es sich natürlich an, sich gegenseitig zu besuchen.

Das waren ganz besondere Momente, an die ich mich so gerne erinnere. Bei der Gelegenheit habe ich zwei Freunde in der Stadt Lille, im Norden von Frankreich, besucht, die dann später zu mir nach Paris kamen.

Ich habe einen anderen Freund in London besucht, der in einem Studentenwohnheim wohnte. Dabei habe ich einen Einblick in das Londoner Studentenleben bekommen.

Ein Vorteil solcher Besuche ist auch, dass der andere die Stadt ja schon kennt und einen direkt zu den tollen Orten bringt.

Ich wurde in Paris auch von meiner Familie und von Freunden aus Deutschland besucht, was jedesmal ein besonderes Erlebnis war!

Ob man auch alleine Dinge unternimmt, ist Typsache. Ich bin eher selbstständig und es stört mich nicht, alleine zu verreisen. Ich habe ein paar Wochenendtrips in andere französische Städte gemacht, bei denen man natürlich auch ins Gespräch mit Leuten kommt.

Mein erster Ausflug führte mich nach Chartres, etwa 90 km süd-westlich von Paris. Dieses Städtchen hat eine besondere Bedeutung wegen seiner berühmten gotischen Kathedrale. Du hast vielleicht schon mal vom Chartres-Blau gehört? Es ist dieses strahlende Blau von Kirchenfenstern, das in Chartres seinen Ursprung hatte.

Die Stadt hat wirklich einen kleinen historischen Stadtkern. Man schafft alles an nur einem Wochenende.

Ein anderes Mal war ich in Amiens. Zufällig war es das Wochenende der Journées du Patrimoine. In der ganzen Stadt fanden kulturelle Veranstaltungen statt, Sonderausstellungen, Theateraufführungen … ein Höhepunkt war z.B. der Besuch im ehemaligen Haus des Schriftstellers Jules Verne.

Besonders schön war auch das Wochenende in Orléans. Du weißt schon, die Geburtsstadt von Johanna von Orléans. Natürlich habe ich ihr Geburtshaus besucht. Die Stadt an sich zeigt verschiedene Epochen in der Architektur: Gotik, Renaissance, Barock und zeitgenössische Bauwerke.

Orléans liegt an der Loire und bietet tolle Strecken für Fahrradfahrer und Fußgänger entlang des Flusses…

Aber nun genug davon. Vielleicht erzähle ich ein andermal mehr darüber.

 

Wie sieht es bei dir aus? Hattest du Schwierigkeiten Leute kennenzulernen? Was hast du so unternommen? Oder was hast du noch vor? Erzähl es mir!

 

Im fünften Teil möchte ich dir berichten, wie ich mein Sprachniveau in Französisch von ganz unten in kurzer Zeit weit nach oben entwickelt hat.

Au revoir,

Deine Anna

 

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