Auslandsstudium Teil 2: ERASMUS in Paris – Ankommen und Einleben

Aller Anfang…

…kann auch leicht sein?

Ein häufiger Punkt, der die Entscheidung zum Auslandssemester erschwert, ist die Angst vor dem Unbekannten:

„Ich kenne dort niemanden, werde ich Leute kennenlernen?

Werde ich meine Freunde und Familie zu stark vermissen?

Werde ich mich in der Umgebung zurechtfinden?“ 

Willkommen zum 2. Teil zum Thema Auslandsstudium in Paris. Falls du den 1. Teil dieser Serie noch nicht kennst und wissen möchtest, wie ich mich auf mein Auslandsjahr vorbereitet habe, gelangst du hier zum 1. Artikel. Dort habe ich schon betont, wie wichtig eine gute Vorbereitung für einen positiven Start ist.

Aber nun erzähle ich dir, wie ich mich in Paris eingelebt habe:

Die Stadt entdecken

Sobald ich in Köln das 4. Semester abgeschlossen hatte, Klausuren und Hausarbeiten geschrieben waren, habe ich meine Koffer gepackt und bin abgereist. Ich hatte die Wohnung in Paris ab August zur Verfügung.

Da die Uni dort aber erst Mitte September losging, hatte ich noch sieben Wochen freie Zeit. Ich habe also den Monat August dazu genutzt, um die Stadt kennenzulernen.

Meine Mitbewohnerinnen aus Köln hatten mir zum Abschied einen dicken Dumont-Reiseführer von Paris geschenkt, der besonders in der Anfangszeit mein ständiger Begleiter war. Ich suchte mir Zuhause Orte aus, die ich sehen wollte, las dazu den Artikel im Reiseführer, legte mir Routen zurecht und zog los.

Ich ging sehr viel zu Fuss, so entwickelte ich recht schnell eine gute Orientierung in der Stadt.

Die ersten Wochen arbeitete ich das Touri-Programm ab: Eiffelturm, Notre Dame de Paris, Sainte-Chapelle, Triumphbogen, Jardin de Tuileries, Musée du Louvre, Musée d’Orsay, Musée de l’Orangerie, Versailles etc. pp. Ich wollte meine Zeit voll nutzen und nichts verpassen. Ich war so begeistert von der Stadt!

Das hielt ich so etwa sechs Wochen durch. Dann war ich übersättigt. Ich konnte nichts mehr aufnehmen und wollte nichts mehr sehen.

Aber dann fing ja glücklicherweise die Uni an.

Der erste Termin an der Uni war am 9. September. Es war der Aufnahmetag der ausländischen Studenten, im schönen Hörsaal Richelieu des Hauptgebäudes der Sorbonne.

Bis zu dem Tag kannte ich noch niemanden in Paris.

Der Hörsaal war voll. Man hörte die verschiedensten Sprachen und darunter auch deutsch. Ich lernte also die ersten deutschen Studenten kennen.

Uns wurden nun die ERASMUS-Verantwortlichen der entsprechenden Fächergruppen vorgestellt und der Aufbau des Studienjahres erklärt. Wir mussten uns anschließend  alle dem Anfangsbuchstaben des Nachnamens entsprechend in Gruppen aufstellen und bekamen nacheinander unsere Studentenausweise ausgehändigt.

Leute kennenlernen

Ich hatte mich in Paris für Kunstgeschichte eingeschrieben. Aus Köln waren noch drei weitere StudentInnen da, außerdem ein paar Leute aus Bonn, aus Berlin und aus Heidelberg.

Man ist anfangs ganz froh, dass man Leute hat, die die eigene Sprache sprechen. Man gibt sich gegenseitig Tipps und findet somit einen ersten Anschluss. Später kamen noch eine Belgierin und ein paar Italienerinnen und ein Amerikaner dazu.

Keine Franzosen und Französinnen.

Das ist vor allem dann ein wenig problematisch, wenn man die Sprache lernen will. Unter Deutschen spricht man deutsch. Mit den anderen Ausländern haben wir natürlich französisch gesprochen, aber jeder mit seinem Akzent und mit seinen Fehlern.

Hinzu kommt, dass, wie im normalen Leben, nicht jeder mit jedem gut kann. Also die Chemie stimmt halt nicht immer. Da sich aber von selbst die Cliquen nach Herkunftsland bilden, ist man „gezwungen“ gewisse Leute immer wieder zu sehen.

Ich habe natürlich Leute kennengelernt, mit denen ich gerne zusammen war. Aber es waren auch solche dabei, mit denen ich unter anderen Umständen nicht meine Zeit verbracht hätte.

Im zweiten Semester hat sich die Situation ein wenig verändert. Eine Freundin ging bereits nach dem ersten Semester zurück nach Deutschland.

Ich lernte in der Zwischenzeit auch Französinnen kennen. Dadurch fing ich endlich an, regelmäßig französisch zu sprechen. Aber es reduzierte sich auch automatisch der Kontakt zu den ERASMUS-Leuten.

Ich rate allen, die diese Erfahrung vor sich haben, sich von Anfang an auch Kontakte außerhalb des eigenen Sprachraums zu suchen, auch wenn es vor Allem am Anfang einfacher ist mit den eigenen Leuten abzuhängen.

Ein anderer Student erzählte mir mal, dass er von Anfang an den anderen Deutschen nicht zu erkennen gab, dass er Deutscher war. Er ging auf Franzosen zu und stellte Fragen zum Studium, deren Antwort er eigentlich kannte, so aber mit den Studenten ins Gespräch kam. Er schloss sich ganz einfach den Einheimischen an und umging damit das Erasmus-Cliquen-Ding.

Ich erzähle euch hier nur meine Erfahrung. Jeder Jeck is‘ anders, wie der Kölner sagt. Also schaut einfach selbst, womit ihr euch wohl fühlt.

Aber zum Französisch-lernen ist es sinnvoller, sich aus der Komfortzone rauszuschälen und die Fühler in unbekannte Gebiete auszustrecken.

Man lernt auch ein anderes Universitätssystem kennen, das so gar nicht dem gewohnten der Heimatuni entspricht.

Die Vorlesungen, Seminare und Klausuren laufen anders ab.

Auch haben die Universitäten in Deutschland verschiedene Vorgaben was die Anrechnung von Leistungen im Ausland betrifft.

Im dritten Teil dieser Serie werde ich von den Erfahrungen an der Sorbonne berichten.

Sei dabei!

Au revoir,

Deine Anna

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